Gesundheit

 

Der Anspruch, der Glaube oder das Bedürfnis vieler Menschen täglich Tiermilch zu sich nehmen zu müssen, sorgt für millionenfaches physisches und psychisches Leid, jeden Tag. Aber Milchkonsum ist über das Säuglingsalter hinaus unter den Säugetieren nicht vorgesehen. Es ist gesellschaftlich weit verbreitet, jedoch unsinnig, auch im Erwachsenenalter die Milch von Muttertieren einer anderen Art zu sich zu nehmen.

 

Erwachsene Tiere und Menschen benötigen keine Muttermilch, schon gar nicht die einer anderen Spezies. Bis zur Zeit vor der Domestizierung von Tieren, deren Milch gemolken wurde, konnten Menschen Milch und Milchprodukte gar nicht verdauen. Weil Milchzucker natürlicherweise nur in der Muttermilch von Säugetieren vorkommt, wird das dazu benötigte Enzym Laktase nur im Säuglings- und Kleinkindalter gebildet. Nach der Stillzeit und der Umstellung auf feste Nahrung, nimmt die Produktion des Enzyms und damit die Fähigkeit ab, Laktose zu vertragen. Milchunverträglichkeit ist also keine Krankheit, sondern eine natürliche Körperreaktion und Ausdruck einer gesunden Entwicklung und Ernährung. Da Laktasebildungen bei erwachsenen Menschen auf Genmutationen zurückgehen (1) und die Anpassung der Milch als Nahrungsmittel entwicklungsgeschichtlich immer noch nicht abgeschlossen ist (2) führt der global betrachtet historisch höchste Konsum von Milchprodukten heute zu erheblichen Problemen.

 

Etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung können Milch noch immer nicht verdauen und werden als Erwachsene laktoseintolerant (3).

 

Laktoseintoleranz und Milchallergie (4) können zu vielfältigen Symptomen führen, beispielsweise Atemwegs- und Hauterkrankungen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Die Behauptung Milch sei gut für die Knochen und schütze so vor Osteoporose lässt sich nicht belegen. Ein sehr hoher Milchkonsum führt sogar zu mehr Knochenbrüchen (5). Gegenüber der allgemeinen Annahme ist der Konsum von Milchprodukten nicht gesund, sondern bringt erhebliche gesundheitliche Gefahren mit sich, wie das erhöhte Risiko von Prostatakrebs (6), Eierstockkrebs (7), Alzheimer (8), Multipler Sklerose (9), Parkinson (10), Diabetes Typ I und II (11) und Hautkrankheiten (Akne, Neurodermitis, rheumatoide Arthritis) (12,13). Da der überwiegende Teil der Milch von schwangeren Kühen stammt, wird zudem heute ein Zusammenhang zwischen Milchkonsum und hormonabhängigen Krebsarten hergestellt (14).

 

Milch ist neben Fertignahrung eines der am stärksten bearbeiteten und veränderten Nahrungsmittel überhaupt (15) und hat in der industriell in vielen Schritten verarbeiteten Form, wie sie heute hergestellt wird, nichts mit der ursprünglichen Rohmilch mehr gemein.

 

Kühlung (16), Pasteurisierung (17) und Homogenisierung (18) sowie Ultrahocherhitzung (19) sind für zusätzliche Gesundheitsbeeinträchtigungen und Krankheiten verantwortlich. Durch die Trocknungstechnik von Vollmilch-, Magermilch-, Buttermilch- und Molkenpulver steigt zudem die Salmonellengefahr (20). Antibiotika wird neben der Eindämmung von Mastitis auch als Masthilfe zur Leistungssteigerung eingesetzt, was offiziell nicht erlaubt ist, sich aber von der Verwendung als Arzneimittel kaum unterscheiden lässt. Zusätzlich können Pestizide, Herbizide, Rückstände von Desinfektionsmitteln (hauptsächlich Chloroform) und Schadstoffe (Schwermetalle, PCB) in der Milch vorkommen, die beispielsweise über Futtermittel als Rückstände in der Milch zurückbleiben und hin und wieder in Form von Lebensmittelskandalen publik werden (21).

 

 

 

 

 

1 Peltonen u.a.: Nature Genetics, Feb. 2002, 30(2), S. 233 ff.; Bersaglieri u.a.: American Journal Of Human Genetics, Apr. 2004, 74(6), S. 1111-1120; Burger u.a.: Proceedings of the National Academy of Sciencw USA, Mar. 2007, 104(10), S. 3736-3741.

 

2 Nach dem Gen-Food ist Milch das jüngste Lebensmittel auf dem menschlichen Speiseplan. Produktion und Verarbeitung von Milch ist seit 5000 v. Chr. nachgewiesen, Maria Rollinger: Milch besser nicht, Erfurt 2004, S. 25f.

 

3 Ledochowski, Bair, Fuchs: Österreichisches Journal für Ernährungsmedizin, Nr. 1, 2003, S. 7-14.

 

4 Im Gegensatz zur Laktoseintoleranz, deren Ursache ein Enzymmangel ist, ist die Milchallergie eine allergische Reaktion auf die Milcheiweiße, wie Kasein, das 80% der Eiweiße ausmacht oder alpha-Laktoglobulin und beta-Lactalbumin. Im Unterschied zu einer Nahrungsmittelunverträglichkeit werden bei Allergien als Reaktion des Immunsystems Antikörper gegen bestimmte Nahrungsbestandteile gebildet, die die eigenen Organe angreifen können.

 

5 Warensjö, Byberg, Melhus, Gedeborg, Mallmin, Wolk, Michaëlsson: Dietary calcium intake aa nd risk of fracture and osteoporosis: prospective longitudinal cohort study, /BMJ/ 2011;342:d1473.

 

6 Xiang Gao u.a.: Prospective Studies of Dairy Product and Calcium Intakes and Prostate Cancer Risk: A Meta-Analysis, Journal Of The National Cancer Institute, Dec. 2005, 97(23), S. 1768-1777; Chan u.a.: Dairy products, calcium, and prostate cancer risk in the Physicians' Health Study, American Journal Of Clinical Nutrition, Oct. 2001, 74(4), S. 549-554; Gunnell u.a.: British Journal Of Cancer, Jun. 2003, 88(11), S. 1682-1686; Kesse u.a.: British Journal Of Nutrition, Mar. 2006, 95(3), S. 539-545; Song, Chavarro, Cao u.a.: Whole milk intake is associated with prostate cancer-specific mortality among U.S. male physicians, Journal Of Nutrition, Feb. 2013,143(2), S. 189-196.

 

7 Fairfield u.a.: International Journal Of Cancer, Jun. 2004, 10, 110(2), S. 271-277; Larson u.a.: American Journal Of Clinical Nutrition, Nov. 2004, 80(5), S. 1353-1357.

 

8 Gu, Nieves, Stern, Luchsinger, Scarmeas: Food combination and Alzheimer disease risk: a protective diet. Archives Of Neuology, Jun. 2010;67(6); S. 699-706.

 

9 Malosse u.a.: Neuroepidemiology, 1992, 11(4-6), S. 304-312; Dosch u.a.: Journal Of Immunology, Apr. 2001, 166(7), S. 4751-4756.

 

10 Chen u.a.: Annals Of Neurology, Dec. 2002, 52(6), S. 793-801; British Medical Journal, Jan. 2003, 326, S. 10; Park u.a.: Neurology, Mar. 2005, 64(6), S. 1047-1051; Chen u.a.: American Journal Of Epidemiology, Jan. 2007.

 

11 Virtanen u.a.: Diabetologica, Apr. 1994, 37(4), S. 381 ff.; Karjalainen u.a.: Scandinavian Journla Of Immunology, Dec. 1994, 40(6), S. 623 ff.; Nillson u.a.: American Journal Of Clinical Nutrition, Nov. 2004, 80(5), S. 1246-1253; Hoppe u.a.: European Journal Of Clinical Nutrition, Mar. 2005, 59 (3), S. 393-398.

 

12 Danby: Journal Of The American Academy Of Dermatology, 2005, 52, S.360-362; Adebamowo: Dermatology Online Journal, May 2006, 12(4), S. 1; Binstadt u.a.: Nature Immunology, Mar. 2006 7(3), S. 284-292; Hvatum u.a.: Gut, Sep. 2006, 55(9), S. 1240-1247.

 

13 Zu allen Krankheiten siehe auch: Colin Campbell: The China Study, 2005, Link.

 

14 Ganmaa, Sato: Medical Hypothesis, Aug. 2005, 65(6), S. 1028-1037.

 

15 Rollinger, S. 314.

 

16 Im Produktionsprozess wird die Milch durch schnelle Erwärmung und schnelle Kühlung irreversibel verändert. Die Fettspaltung und Pfropfbildung durch die Temperaturschwankungen während Transport und Lagerung werden durch spezielle Zusätze oder Bearbeitungen wieder rückgängig gemacht. Die Kühlung soll den Säurungsprozess bei der Lagerung verhindern. Dabei erhört sich jedoch die Enzymaktivität erheblich. Rollinger 219f.

 

17 Wärmebehandlung einer Flüssigkeit, die den überwiegenden Teil ihrer Keime abtötet ohne sie zu sterilisieren. Pasteurisiert wird aus technologischen und hygienischen Gründen, vor allem aber um die Haltbarkeit zu erhöhen. Zudem fallen bei einer Wärmebehandlung von über 80 °C fast alle Molkenprr oteine aus, werden Enzyme deaktiviert und Vitamine zerstört. Dennoch bleiben trotz Pasteurisierung unerwünschte Keime, wie Buttersäurebakterien erhalten. Ebenso erweist sich der Paratuberkulose-Erreger (MAP=Mycobacterium avium Subspecies paratuberculosis), der die menschliche Krankheit Morbus Crohn mitverursachen kann, als hitzeresistent. Rollinger, S. 211 ff.

 

18 In Homogenisatoren werden die Fettkügelchen der Milch verkleinert und homogenisiert, um die Aufrahmung des Milchfettes zu verhindern. Praktisch alle fermentierten Milchprodukte (bis auf Hart- und Schnittkäse) werden homogenisiert. Offiziell wird immer wieder die bessere Verdaulichkeit beworben, was aber umstritten ist. Rollinger, S. 228 ff. Zudem gibt es Wissenschaftler, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum von homogenisierter Milch und Herzerkrankungen herstellen und nachweisen können. Rollinger, S. 230ff.

 

19 Trotz Ultrahocherhitzung enthält die UHT-Milch (H-Milch) bioaktive Enzyme abgetöteter Bakterien, die Fett und Eiweiße zersetzen.

 

20 Rollinger, S. 246f.

 

21 Rollinger, S. 91.

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